Worlds Melbourne (05.-14. Jan 2018)




Nach einigen tollen Training-Segeltagen in Blairgrowie startet die WM heute dem 9.1.18 die Pre Worlds. Leider ware an beiden Pre Worlds-Tagen wenig Wind, was fuer mich etwas Neues in Australien ist. Wir segeln direkt neben der Einfahrt des Port Philipp Bay. Dort gibt es wegen der Tide extrem viel Stroemung (Insider berichten von bis zu 4 Knoten). Bei einem Start konnten wir uns nicht gegen die Stroemung durchsetzen, sodass der Lauf abgebrochen werden musste. Fuer mich war dies zunaechst ungewohnt, weshalb ich mir alle High und Low Tide auf den Rumpf meines Musto schrieb. Nach den kommenden zwei Preworlds-Tagen und einem Layday starteten wir mit der WM.

1. WM-Tag
Heute konnten keine Regatta aufgrund konstant zu starkem Wind (ueber 30 Knoten) ausgetragen werden.
Am Abend gab es eine richtige Aussi-Show! Wir veranstalteten ein Teamrace, welches mit Optis gesegelt wurde. Es gab drei Teams an jeweils vier Booten. Sieger war das Team, das zuerst drei Boote ins Ziel segeln konnte. Gestartet wurde auf Wiese. Nach dem Startsignal mussten wir zuerst die Wiese springend bis zum Strand ueberqueren. Von dort schnappten wir uns einen Opti, welchen wir ins Wasser stiessen, bis es genuegend Tief zum Segeln war. Am Strand war es jeweils sehr seicht und es hatte mehrere Sandbaenke, wo der eine oder andere stecken blieb. Es musste ein Kurs um mehrere Bojen, danach zurueck an den Strand gesegelt und schliesslich an Land ein Bier getrunken werden. Das Europa-Team konnten mit den Optis den Rang 1 und 2 nach Hause segeln. Die anderen beiden Optis blieben weit hinten im Feld. So musste der Sieg dann leider doch an die Australier abgegeben werden. Das Erlebnis bleibt aber als sehr spassiger Anlass mit vielen lustigen Episoden in guter Erinnerung. Beispielsweise kenterte Paul aus den Niederlanden etwa 10 mal auf jede moegliche Art und musste am Schluss mit dem Schlauchboot gerettet werden, da er mit seinem Opti beinahe auf Tauchgang ging. Das ganze Treiben wurde von Batsy kommentiert. Da wir direkt vor dem Clubgebaeude, welches zugleich ein Restaurant ist segelten, gab es eine richtige Fan-Tribuehne was kraeftig zur heiteren Stimmung beitrug. Das ganze Spektakel kann in einem kurzen Video angeschaut werden.

2. Tag
Nach zwei Laydays war es klar das wir heute segeln muessen. Leider waren es wenig-Wind-Verhaeltnisse. Deshalb war es fuer mich umso wichtiger auf dem Downwind-Kurs mit den Boesen richtig herunterzuheizen. Dies gelang mir im Grossen und Ganzen nicht so schlecht. Leider verlor ich zweimal kurz vor dem Ziel 5-10 Boote! Im Nachhinein bin ich einfach viel zu konservativ gesegelt.
Bei den 10-15 Knoten Wind war das Musto-Feld so nahe zusammen, dass jeder cm zaehlte.

3. Tag
Auch heute hatte es lange kein Wind. Als dann ganz wenig Wind aufkam, hiess es auslaufen. Ich war nicht besonders motiviert. Die Motivation wurde aber schnell groesser als wir dann doch im Trapezritt Richtung Start heizen konnten. Ich konnte einen mittelmaessigen Start segeln, wendete anschliessend im richtigen Moment genau in einem Winddreher und konnte dadurch richtig viel Boden gut machen. Dennoch waren nun noch ziemlich viele Boote um mich herum. Die Tide kam waehrend diesem Lauf von hinten, was aber beim Start noch wenig zu bemerken war, da wir etwa 50 Minuten nach der Low Tide starteten. Ich wendete etwa 20 Meter unter die Lee line. Zuerst sah es ganz schoen fuer mich aus, aber am Schluss passte es dann genau und ich konnte knapp vor Paul Newman als erster das Luvfass runden. Im Downwind verlor ich ihn aber wieder. Er hatte nun 30 Meter Vorsprung vor mir und direkt hinter mir folgte mir dicht der Rest des Feldes. Im zweiten Downwind konnte ich auf Paul mit ein paar guten wire to wire Wenden bis auf 10 Meter heranruecken. Auf dem Zweiten Downwind war ich mit meinem 2 Rang zufrieden und kontrollierte das Feld nach mir und Paul platzierte sich direkt unter mich. Er segelte relativ tief. Ich setzte deshalb auf Speed und konnte in einer Boehe ihn zum Halsen zwingen, sodass er direkt aus der Boehe raussegeln musste. Vor dem Ziel musste ich noch einige Vollgashalsen segeln um mit genuegend Druck ins Ziel segeln zu koennen. Mein erster Sieg an einer WM!!! Ich konnte es gar nicht glauben. Leider konnte ich gar nicht richtig nach hinten schauen wie das so aussieht, da ich so mit segeln beschaeftigt war.
Danach konnte ich noch einen guten Lauf segeln. Der letzte Lauf des Tages habe ich leider mit einem Fruehstart vermasselt (ich war bei 50 Sekunden 2 Meter ueber der Startlinie). Ich waere sonst in diesem Rennen Fuenfter geworden. Da wir heute bis etwa 20:30 Uhr segelten, konnte das Komitee nicht genuegen frueh bekanntgeben, dass der naechste Tag ein Race Tag ist. Das Wetter war aber auch ziemlich schlecht mit Regen und allem. Die Messstation mass in 2 Stunden Windstaerken von 3- 28 Knoten. Der Wind drehte auch staendig. So war der Layday gerade super.

4. Tag
Wir konnten drei Rennen bei 10-15 Knoten segeln. Das vierte Rennen wurde wegen einer Sturmfront abgebrochen. Mir lief es an diesem Tag nicht besonders gut. Wir konnten dann aber noch bei schoenen 25 und ehr Knoten nach Hause segeln.

5. Tag
Der letzte Tag war mit Bedingungen wie im Training vor der WM. Ordentlich Dampf, sonnig und einfach richtig geil!!
Da wir ablandigen Wind hatten, gab es keine Wellen und spannende Windreher, sodass man seinen eigenen Weg segeln konnte. Leider hatte ich vor dem ersten Start mein Endfiting der Saling zerstoert und musste ein Lauf aussetzen um zu reparieren. Lauf zwei startete ich wegen eines Englaenders fuerchterlich und waere beinahe gekentert. Wieso dieser so kurlig gesegelt ist, weiss ich auch nicht. Durch einen guten Upwind konnte ich mich aber am Luvfass in den Top 15 behaupten. Der erste Downwind war richtig geil so wie es mir gefaellt, abseilen bis zum Anschlag und dann runterheizen, hoffen das alles haelt und niemand im Weg ist. Dies gelang mir auch ziemlich gut. Ich hatte aber wesentlich anderes zu tun als die Boote zu zaehlen, welche am Baden waren. Aber auf jeden Fall waren es doch einige, die zuvor noch vor mir waren. Der Zieleinlauf ging voellig in die Hosen. Ich kam mit Wind von Backbord, ein bisschen ueberpowert weil ein UK-Segler aus meiner Sicht zu spaet halste. Tom Convoy und Paul Newman kamen mit Wind von Steuerbord. Ich dachte, dass beide noch etwa eine Bootslaenge vor dem Ziel Halsen muessten. Demzufolge haette ich dort Innenraum gehabt, aber Tom gab Paul nicht genuegend Platz und so hatte ich gar kein Platz mehr. Das waere ja alles nicht so schlimm gewesen, waere Tom nicht in der Halse gekentert, sodass Paul ausweichen musste. Ich kam gleichzeitig mit 20 Knoten Speed voll out of control hergeschreedert. Im letzten Moment konnte ich noch die Genischot loslassen, mich irgendwie zwischen den Booten durchkaempfen, um den Schaden gering zu halten. Leider musste ich aber dennoch kentern, um einen Crash mit dem Startboot zu vermeiden. Bei dieser Kentern zerriss mein Trapezgummi an Paul's Masttop. Dies war fuer mich ein riesen Problem auf dem restlichen Weg ins Ziel, weil die Tacksticks sich mit dem Grossbaum verhedert hatten und so das abfallen fast unmoeglich machten. Irgendwie bin ich dann doch noch ins Ziel gekommen, aber leider nicht als 10.-15. sondern als 27. Im dritten Lauf konnte ich mich gut behaupten. da waren auch keine "lustigen" Segler im Weg. Nun starteten wir mit dem vierten Lauf des Tages und damit der letzte Lauf der WM. Jetzt sollte ich ja eigentlich langsam wissen, wie das so laeuft. Ich startete gut und meisterte einen solider Upwind. Danach begann wieder das Theater. Man sollte ja meinen, dass bei 25 Knoten Wind in den ersten 15 Booten keine Angsthasen sind. War leider nicht so. Irgend so ein UK-Segler duemmpelte mit ganz ausgefiertem Grosssegel halbwegs im Trapez da runter. Ich konnte mich beim Geniset vorne ein wenig aus einem Pulk heraussegeln. Leider war ich jetzt der Verfolger und es war echt knapp zum Halsen und oben durchseglen konnte ich auch nicht, weil er hoeher als ich segelte. Ich entschied mich fuer eine Wire to Rack Halse, was ziemlich schwierig bei so viel Wind ist, weil man direkt vom Trapez auf die andere Seite springt und dies bei so hohen Geschwindigkeiten ein wenig riskant ist. Bei solchen Bedingungen fiere ich normalerweise das Grosssegel genuegend und setze mich zuerst auf das Rack, versuche so das Boot schnell zu segeln und halse bei einem passendem Moment. Leider war in dieser Situation zu wenig Zeit und Abstand zu den anderen Booten. Da wir ja doch schon 12 Rennen gesegelt sind und ich schon ein Badespektakel hatte, welches Kraefteraubend war, ging die Halse in die Hose, was mit Baden endete. Ich konnte mein Boot aber so schnell wieder aufstellen, das ich auf meinen Uk-Freund am Leefass nur etwa 50 m verlor. Ich hatte noch das Glueck das ich in einer Hammerboehe runterheitzen konnte. Das war ziemlich out of control! Teilweise kam das ganze Boot aus dem Wasser und landete auf der naechsten Welle so hart das sich das Vorstag und die Lowers voellig entspannten. Ich konnte mich auch im zweiten Upwind gut behaupten und wieder Plaetze gut machen. Leider ging ich dann in der letzen Halse nochmals baden, weil ich in dieser Halse einen vollen Nosedive gesegelt bin. Aber wie ich dann spaeter beim Bier erfahren habe, ist sogar John Newman gekentert. Und dies will etwas heissen, denn er wurde schliesslich Weltmeister!

Rueckblickend habe ich das Gefuehl, dass ich noch nie zuvor so gut mit dem Bootspeed im Feld mithalten konnte. Leider habe ich viele andere Fehler gemacht.
Von den Bedingungen her ist Blairgrowie eigentlich einer der besten Orte um Musto zu segeln, weil es normalerweise zwischen 18-28 Knoten Wind hat. Meist ablandige Seabreeze und demzufolge flaches Wasser. Es hat dort einen super Beach mit Clubgebaeude. Leider hatte waehrend dieser WM schlechtes Wetter die Seabreeze zweimal zerstoert und einmal war sie halt einfach viel zu stark. Im Training davor konnten wir etwa 10 Tage bei ueber 20 Knoten segeln das war schon ziemlich cool. Nach so einem Event macht irgendwie Musto segeln bei unter 18 Knoten nur noch halb so viel Spass, weil man nicht das ganze Speedpotezial ausschoepfen kann.

Abschliessen moechte ich sagen, dass die Australier eine super WM organisiert haben. Ich freue mich schon auf die naechste WM in Medenblik in Holland 2019 und hoffe auf eine grosse Schweizer Beteiligung!

Bis bald wieder

Race winner Alexander Greil

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